Der Hildegard-Pilgerweg

Der Hildegard-Pilgerweg gewährt Einblicke in die artenreiche und imposante Gebirgswelt des Wettersteinmassivs und bietet durch einen Spirituellen Proviant geistliche Impulse. Die Heilige Hildegard von Bingen, Kirchenlehrerin, Äbtissin, Dichterin und Universalgelehrte des Mittelalters ist heutzutage v.a. für ihre Pflanzen- und Heilkunde bekannt. Im Verlauf des Weges wird die „Grünkraft“ der Natur, die in Hildegards Schriften immer wieder Erwähnung findet, erlebbar. Hildegard unterhielt eine rege Briefkorrespondenz mit Päpsten, Kaisern, Kirchenleuten und Menschen, die sie um Rat fragten. Sie stand auch mit Kaiser Friedrich Barbarossa in Kontakt, der einst auf der Via Raetia entlang des Wettersteingebirges auf dem Weg nach Rom zog, allerdings vermutlich nicht das gigantische Panorama auf dem Schachen genießen konnte.

Ausgangspunkt Hildegardweg: 82493 Elmau, Wanderparkplatz Elmau

Anfahrt zum Schloss Elmau:

Mit der Bahn: Vom Bahnhof Klais fahren von Mai bis Oktober Busse nach Schloss Elmau. Infos unter https://www.alpenwelt-karwendel.de/fahrplan
Mit dem Auto: Durch Wallgau führt die B11; Parkplätze befinden sich nördlich der Pfarrkirche St. Jakob.

Zurück zum Ausgangspunkt:

Sofern nicht zu Fuß zum Ausgangspunkt zurückgekehrt wird, können zwischen der Partnachklamm und dem Schloss Elmau die Busverbindungen zu den Bahnhöfen GAP oder Klais und dazwischen die stündliche Zugverbindung genutzt werden. Für den Bus von Elmau nach Klais bitte vorab informieren.

Weglänge und Anforderungen:
a) Hauptweg über das Schachentor: einfach 9 km, ca. 970 Höhenmetern; Erweiterung auf das Frauenalpl weitere 1,4 km, ca. 340 Höhenmeter.
b) Alternativweg über die Forststraße, den Königsweg: einfach 10 km, ca. 870 Höhenmetern.

Abstiegsalternative vom Schachen über das Oberreintal und die Partnachklamm
Achtung: nur für Geübte!
Zum Skistadion GAP: 12 km; zum Wanderparkplatz Elmau (Abzweig vor der Partnachklamm durchs Ferchenbachtal) 14 km.

Alle Wege sind Gebirgswege und sollten nur mit entsprechender Ausrüstung und unbedingt festem Schuhwerk begangen werden.

Charakter der Tour: Der Pilgerweg führt vom Wanderparkplatz in Elmau über die Forststraße entlang des Elmauer Baches vorbei an Felswänden und gewährt Einblicke in den Berg-Mischwald. An mehreren Stellen sind kleinflächige Vermoorungen als Lichtungen im Wald vorhanden. Die reichen Totholzvorkommen der Bergwälder sind Lebensgrundlage für eine Fülle von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. An der Wettersteinalm führt der Hauptweg vorbei an der Almhütte durch einen lichten Fichtenwald, der mit zunehmender Höhe von der Zirbe abgelöst wird, ehe das Schachentor mit Blick zum Königshaus am Schachen erreicht ist. Von dort geht es durch Geröllfelder hinunter zur Schachenalm und schließlich wieder hinauf zum Schachen.

Der Alternativweg, die leichtere Wegvariante, folgt weiter dem „Königsweg“ auf der Forststraße und führt gleich zu Beginn der Almfläche der Wettersteinalm rechter Hand weiter den Berg hinauf durch einen dichteren Fichten-Bergwald, der später ebenfalls von Zirben mehr und mehr abgelöst wird, ehe sich der weite Kessel der Schachenalm öffnet.
Vom Königshaus am Schachen führt ein kleiner Weg zur Aussichtskanzel ins Reintal.

Eine Erweiterung der Tour ab dem Schachenhaus in hochalpines Gelände ist durch eine Besteigung des Frauenalpls möglich. Hierzu ist Trittsicherheit unbedingt erforderlich.
Eine Abstiegsalternative bietet der Weg ins Oberreintal und Reintal Richtung Partnachklamm, der allerdings der allerdings sehr abschüssig ist und unbedingt alpine Erfahrung voraussetzt!

Auf dem Schachenhaus und auf der Meilerhütte, die vom Frauenalpl aus erreicht werden kann, bestehen auch Übernachtungsmöglichkeiten.

GPX Files zum Download: Hildegardweg

Leporello Flyer des Hildegardweges zum Download: Hildegardweg Leporello

Station 1

Elmauer Bach und Felswände

Elmauer Bach © B. Schwarz

Der Elmauer Bach fließt aufgrund des Gefälles in einem überwiegend schmalen Flussbett von bis zu fünf Metern Breite, welches geprägt ist von groben Kiesen und Schottern sowie einigen Felsen. Die Ufervegetation besteht aus feuchteliebenden Arten wie etwa der Simsenlilie (Tofieldia calyculata) oder dem Fuchs-Greiskraut (Senecio fuchsii) und teilweise auch aus Schuttbesiedlern wie der Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus), welche die Umlagerungsflächen des Baches immer wieder neu besiedeln. Auch die Gewöhnliche Pestwurz (Petasites paradoxus) wächst am Ufer. Sie bildet nach der Blüte sehr große Blätter aus, welche in der heimischen Flora die größten sind. An Bäumen wachsen am Bach v.a. Grauerlen (Alnus incana) und verschiedene Weidenarten (Salix sp.).

Die oft unmittelbar an den Bach angrenzenden Felswände beherbergen ihrerseits eine große Zahl an Arten. In Felsspalten wachsen die Alpen-Aurikel (Primula auricula) und der Blaugrüne Steinbrech (Saxifraga caesia). Letzterer gehört auch zu den ersten Besiedlern von offenem Schutt, den er festigt und zudem staut er das Wasser etwas, sodass sich weitere Pflanzen ansiedeln können. Die Polster-Wuchsform und die blaugrüne Färbung der Blätter sind Anpassungen an Gebirgsstandorte. Die dunklere Blattfärbung schützt vor schädlichem UV-Licht, die Polster-Wuchsform schützt vor Kälte; sie speichert in kleinen Zwischenräumen Wärme, sodass ein Mikroklima entsteht, das um einige Grad wärmer sein kann als die Umgebungstemperatur.

Spiritueller Proviant

„Daher lobe alles, was Odem hat und guten Willens ist, den Herrn. Denn es ist recht, dass der, welcher das Leben ersehnt, den verherrlicht, der das Leben ist.“ (Hildegard v. Bingen, Wisse die Wege)

Das Loben – ein zentrales Element christlicher Schöpfungsspiritualität – richtet den Blick weg von sich selbst, macht offen für die Mitwelt und für Gott. Dankbarkeit und Freude sind eine Frucht des Lobens. Im Loben wird deutlich, dass sich die Welt einem anderen verdankt und nicht aus sich selbst heraus besteht. Durch eine Haltung des Lobens und der Dankbarkeit wird die Welt im theologischen Sinne zur Schöpfung, weist über sich hinaus auf den, der sie trägt und hält.

Was veranlasst mich zum Loben? Wofür bin ich dankbar?

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Station 2

Berg-Mischwald

Berg-Mischwald über dem Elmauer Bach © B. Schwarz

Der Bergwald wird in dieser montanen Höhenstufe, die hier von den Tallagen bis ca. 1.450 m ü. N.N. reicht, von Buche (Fagus sylvatica), Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Tanne (Abies alba) und Mehlbeere (Sorbus aria) geprägt. Auch einige Fichten (Picea abies), die in höheren Lagen dann vorherrschend werden, sind dabei. In tieferen Lagen wurde die Fichte in der Vergangenheit auch stark vom Menschen gefördert, weil sie vielerorts als der „Brotbaum“ galt, der in relativ kurzer Zeit geerntet werden konnte.
An lichten Stellen und am Waldsaum, etwa am Wegrand können Arten wie der Seidelbast (Daphne mezereum), der Wasser-Dost (Eupatorium cannabinum) und der Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana ascelpiadea) gesehen werden. Feuchtere Stellen besiedelt das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata). Auch die Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens), eine Orchidee, die auch Strand-Vanille genannt wird, gedeiht hier. Der Name deutet schon an, dass diese Art neben ihren Vorkommen in hellen Wäldern und Säumen auch am Strand, etwa an der Ostseeküste auf Dünen – heutzutage kaum noch in Deutschland, sondern v.a. noch im Baltikum – vorkommt.

Spiritueller Proviant

„Die Liebe nährt alles Grüne.“ (Hildegard von Bingen, Der Mensch in der Verantwortung)

Für Hildegard von Bingen steht die Liebe am Beginn der Schöpfung. Gottes Liebe sei es, die die Schöpfung ins Dasein rief. Liebe beruht stets auf Freiheit, nie auf Zwang, sie will das Leben und die Entfaltung des Anderen. Der dreifaltige Gott ist die höchste Form von Gemeinschaft, von vollkommenem Leben und umfassender Liebe. Diese vollkommene Gottheit hätte kein Gegenüber nötig, vielmehr entspringt die Schöpfung aus reinster Liebe und wird so zum freien „Mitspieler“ der göttlichen Liebe. Diese Liebe bringt Leben hervor und nährt es. Gott erweist sich in der Schöpfung als „ein Freund des Lebens“ (Buch der Weisheit 11,26).

Was ist für mich geistige Nahrung? Was gibt mir Kraft?

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Station 3

Flachmoor & Feuchtwiesen

An überrieselten Stellen am Hang sowie in Senken können sich Flachmoore und kleine Feuchtwiesen bilden, welche mit charakteristischen Arten ausgestattet sind. Ein Flachmoor entsteht durch permanente oder häufige Wasserzufuhr, wodurch sauerstoffarme Bodenverhältnisse zustande kommen und abgestorbenes Pflanzenmaterial nur unvollkommen zersetzt wird. Daraus kann eine kleine Schicht Torf entstehen. Flachmoore und Feuchtwiesen weisen stets Pflanzen auf, die auf Mineralböden wachsen. Das heißt, das Wasser, das sie speist, hatte zuvor Kontakt mit basenreichem Gestein, wie dies beim Kalk der Fall ist.

Auf Flachmooren kann z.B. das Schilf (Phragmites australis) vorkommen, häufig auch das Pfeifengras (Molinia caerulea) sowie Orchideen wie die Wohlriechende Händelwurz (Gymnadenia odoratissima), die Wald-Hyazinthe (Platanthera bifolia) oder das Große Zweiblatt (Listera ovata), welches recht unscheinbar ist.

Spiritueller Proviant

„Die Geduld ist eine süße Lebenskraft. Sie lässt die Blüten und Früchte der Tugenden hervorsprießen und errichtet ihnen im Herzen der Menschen eine feste Burg. Was immer sie beginnt, hält sie durch.“ (Hildegard v. Bingen, Der Mensch in der Verantwortung)

Geduld muss meist mühsam gelernt werden. In einer schnelllebigen Welt ist es nicht einfach, Geduld zu üben. Die Natur kann hier Sinnbild für den Menschen sein. Es braucht Zeit bis Blüten zu Früchten werden, noch mehr Zeit bis z.B. ein Moor emporwächst. Auch im menschlichen Leben benötigt vieles Zeit, um zu reifen. Dazu gehören auch innere Prozesse wie z.B. Entscheidungen.

Schätze ich die Kraft der Geduld? Wo in meinem Leben wäre mehr Geduld nötig, wo ist die Zeit reif?

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Station 4

Totholz

Stehendes Totholz © B. Schwarz

Totholz ist weit mehr als totes Holz. Es dient zahlreichen Insekten, Vögeln, Pilzen, Flechten, und Moosen als Nahrung, als Lebensraum, als Ort der Jungenaufzucht usw. Eine Spechthöhle beispielsweise kann über Jahre vielen Vogelfamilien als Kinderstube dienen. Dabei nutzen auch viele andere Tierarten verlassene Spechthöhlen. Selbst Fledermäuse verbringen den Tag über häufig in Totholz.
Sowohl das stehende als auch das liegende Totholz ist ein Ort des Lebens. Liegendes Totholz z.B. als Grundlage, auf der junge Bäume keimen können. Im Bergwald schützt es zudem vor Steinschlag und Lawinen.

Totholz ist außerdem ein Indikator für biologische Vielfalt, das heißt, dort, wo es viel Totholz gibt, gibt es auch eine große Biodiversität. Hauptsächlich Pilze sind in der Lage, das chemisch widerstandsfähige Holz zu zersetzen.

Mit zunehmender Höhe steigt im Bergwald natürlicherweise das Vorkommen der Fichte (Picea abies). Der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus) ist eine Art, die charakteristisch für naturnahe Fichtenwälder mit einem hohen Totholzanteil ist. Er kann sogar als eine „Schirmart“ bezeichnet werden, womit gemeint ist, dass sein Schutz auch vielen anderen Arten zugutekommt. Und zwar auf direktem Weg, wenn sie z.B. seine Brut- und Schlafhöhlen weiter nutzen und indirekt, weil ein Lebensraum, wie er für den Dreizehenspecht wichtig ist, gleichsam automatisch eine große Biodiversität beherbergt. Der Dreizehenspecht ist ein natürlicher Feind des Borkenkäfers. Er frisst pro Tag um die 2.000 Borkenkäfer, was übers Jahr verteilt fast 20 Mal so viele Käfer sind, wie sie mit einer Borkenkäferfalle gefangen werden.

Spiritueller Proviant

„Durch den gottlosen Irrwahn der verblendeten Menschenseelen welkt die grünende Lebenskraft dahin.“ (Hildegard v. Bingen, Der Mensch in der Verantwortung)

Hildegard von Bingen sah bereits in ihrer Zeit den teilweise rücksichtslosen Umgang des Menschen mit der Natur und klagt gleichsam prophetisch den oft zutage tretenden Größenwahn des Menschen an, welcher die grünende Lebenskraft, das heißt die Natur zerstört. Papst Franziskus schreibt: „Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise.“ (Laudato si‘, Nr. 139). Die Naturzerstörung hängt oft mit einer Geisteshaltung der bloßen Profitsteigerung, der Ausbeutung und Verschwendung zusammen. Daher sind für die Bewältigung der ökologischen Krise auch Veränderungen im Denken und Handeln der Menschen nötig. Leben zu fördern erfordert gleichsam das „Abtöten“ und Überwinden lebensschädlicher Verhaltensweisen.

Wo stehe ich auf der Seite des Lebens? Wo kann ich Leben noch mehr fördern?

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Station 5

Wettersteinalm

Die Wettersteinalm wird bereits im Jahr 1396 erwähnt. Sie hat eine offene Almfläche von ca. 30 Hektar und zusätzlich eine Waldweide von etwa 119 Hektar.Almen sind ein vom Menschen geschaffener Lebensraum, der sich gleichsam wie ein Mosaikstein in die Gebirgswelt aus Wäldern, Geröll- und Felslebensräumen sowie den alpinen, von Natur aus baumfreien Rasen im Hochgebirge einfügt. Allerdings kann eine Alm auch übernutzt werden. Das heißt, wenn der Viehbestand – v.a. an Rindern – auf einer bestimmten Fläche zu groß wird, nehmen Trittschäden überhand. Ein zu großer Weidedruck verringert die Artenvielfalt durch zu große Nährstoffeinträge und nur noch wenige Pflanzenindividuen gelangen zur Samenreife. Die Nutzung der Almflächen ist essentiell für ihren Erhalt, allerdings sollte sie nicht zu intensiv erfolgen, damit die Existenz und das Zusammenspiel möglichst vieler Lebewesen funktionieren kann. Eine Art ist das Birkhuhn. Es nutzt die offenen Almbereiche für seine Frühjahrs- und Herbstbalz. In den lichten Weidewäldern am Rand der Almen findet die Jungenaufzucht statt. Hier finden Hennen und Jungvögel Schutz und Nahrung. Ein Verbleiben auf den Wegen ist daher unbedingt notwendig, um diese störungsempfindlichen Tiere nicht zu vertreiben.

Auf der Wettersteinalm weidet auch Jungvieh des Murnau-Werdenfelser Rindes, einer alten, seltenen Rinderrasse aus dieser Region. Diese Rasse ist besonders gut an Gebirgs- und Feuchtlebensräume etwa Moorwiesen, also optimal an ihr Stammgebiet angepasst.

Stellen, an denen sich das Vieh besonders gerne und oft aufhält, nennt man „Lägerfluren“. Diese sind durch ein charakteristisches Pflanzenkleid gekennzeichnet. Die lokal hohe Nährstoffverfügbarkeit lässt dort v.a. nährstoffliebende Pflanzen wachsen. Dazu zählen die Brennnessel (Urtica dioica), der Alpen-Ampfer (Rumex alpinus) und das Alpen-Kreuzkraut (Senecio cordatus).

Spiritueller Proviant

„Die Seele liebt in allen Dingen das rechte Maß. Wenn der Mensch ohne Maß isst oder trinkt oder irgendetwas anderes maßlos tut, werden die Kräfte der Seele gespalten. Daher achte er stets auf das richtige Maß.“ (Hildegard von Bingen, Das Buch der göttlichen Werke)

Wie es schon der Hl. Benedikt in seiner Regel betont, so legt auch die Hl. Hildegard von Bingen als Benediktinerin einen hohen Wert auf das rechte Maß im Leben. Auch der Umgang mit der Natur sollte davon geprägt sein. So fördert etwa eine maßvolle Beweidung einer Alm deren Vielfalt an Lebensformen, während sowohl die Nutzungsaufgabe als auch eine zu starke Beweidung der Vielfalt an Arten und dem Fortbestand der Alm schaden würden.

Was heißt für mich das rechte Maß im Leben?

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Station 6

Fichten-Bergwald

Parkartig stehende Fichten unterhalb des Schachentors © B. Schwarz

Schon beim Aufstieg zur Wettersteinalm konnte beobachtet werden, wie die Fichte allmählich häufiger vorkommt. Oberhalb der Wettersteinalm, in der subalpinen Zone, gewinnt sie eindeutig die Oberhand. Hierbei handelt es sich freilich nicht, wie oft in den Tieflagen, um Fichten-Forste, die vom Menschen geschaffen sind. Fichten kommen in Mitteleuropa natürlicherweise mit meist kleinen Vorkommen an Sonderstandorten wie Moor-Randwäldern, in Kaltlufttälern und auf Blockhalden und mit größeren Beständen in Gebirgslagen vor. Die Fichte braucht viel Wasser und gut durchlüftete Böden.
Während der Fichtenwald entlang der Forststraße Richtung Schachen recht dicht bewachsen ist, kommt die Fichte auf dem Weg Richtung Schachentor zwar häufig, jedoch etwas lückiger vor. Man kann den Eindruck einer parkartigen Landschaft gewinnen, was damit zusammenhängt, dass dieses Areal beweidet wird.

Spiritueller Proviant

„Die Seele ist die Lebenskraft/Grünkraft (viriditas) des Leibes.“ (Hildegard von Bingen, Briefe)

Die Grün- oder Lebenskraft (latein. viriditas) ist ein zentrales Wort in den Schriften der Hl. Hildegard. Diese Kraft lässt nach Hildegard nicht nur die Natur aufblühen, sondern sie macht auch den Menschen lebendig. Schon für Aristoteles und später auch für Thomas von Aquin ist es die Seele, welche ein Lebewesen lebendig macht. Hildegard vergleicht die Seele mit dem Saft, der einen Baum zum Grünen bringt.

Was belebt mich? Wovon bin ich beseelt?

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Station 7

Zirben-Latschenzone

Oberhalb der Wettersteinalm waren bereits die ersten Zirben (Pinus cembra) zu sehen. Je höher man steigt lösen sie zusammen mit ihrer „Schwesternart“, der Latsche (Pinus mugo), die Fichte (Picea abies) in der Häufigkeit ab und bilden zusammen mit wenigen Exemplaren von Fichten, Ebereschen (Sorbus aucuparia) und Grün-Erlen (Alnus viridis) in der subalpinen Höhenstufe zunächst die Wald- und dann auch die Baumgrenze. Subalpine Fichtenwälder und die darüber liegenden Zirbenbestände mit Latschen prägen die subalpine Höhenstufe.
Die Zirbe, auch Arve genannt, ist eine 5-nadelige Kiefernart, das heißt bei ihr sitzen an den Kurztrieben jeweils fünf Nadeln in einem Büschel, im Gegensatz zu der Waldkiefer (Pinus sylvestris) oder der Latsche (Pinus mugo), bei denen nur jeweils zwei Nadeln zusammenstehen.

Die Zirbe ist in dieser Gegend eine absolute Seltenheit. Sie hat ihr Hauptverbreitungsgebiet in den Zentralalpen, in einer kontinental geprägten Klimazone. Im Vergleich zum ozeanisch geprägten Klima der Randalpen ist es in den Zentralalpen trockener und die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sowie Tag und Nacht sind größer. Die Zirbe ist sehr frosthart und erträgt Temperaturen bis -40°C, kommt also mit extremen Frösten in den kontinental geprägten Zentralalpen zurecht. Sie wird in den Zentralalpen durch die sommerlichen Strahlungsverhältnisse mit einer raschen Erwärmung bereits im Juni – bedingt durch geringe Niederschläge – begünstigt. In den Nordalpen wird ihr Vorkommen durch die im Vergleich zu den Zentralalpen höheren Niederschläge und damit verbundene Krankheitserreger, v.a. Pilze deutlich begrenzt.
Zirben wachsen aufgrund der kurzen Vegetationsperiode langsam und sind oft schon über 100 Jahre alt, ehe sie eine Höhe von 10 m erreichen.

Spiritueller Proviant

„Jedes Geschöpf ist mit einem anderen verbunden und jedes Wesen wird durch ein anderes gehalten.“ (Hildegard v. Bingen, Welt und Mensch)

Hildegard von Bingen erkannte bereits das, was man heute in der Ökologie als Vernetzung bezeichnet. Die Zirbe und der Tannenhäher sind ein Beispiel für das enge Zusammenspiel verschiedener Arten. Geistlich ausgedrückt lässt sich mit Hildegard auch von einer „Symphonie“ der Schöpfung sprechen – die einzelnen Kreaturen sind also aufeinander abgestimmt und klingen zusammen.

Womit fühle ich mich verbunden? Wir gestalte ich die Beziehungen zu dem, was mich umgibt?

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Station 8

Schachenalm, Waldgrenze und Geröllfeld

Die Schachenalm (Schutzhütte: 1.750 m) erstreckt sich bis zum Schachenhaus (1.866 m) und prägt das Landschaftsbild rund um den Schachen. Die Almfläche befindet sich neben dem hier typischen Wettersteinkalk in weiten Teilen auch auf Raibler-Schichten, die uns am Schachen noch beschäftigen werden. Diese eignen sich besonders gut als Almweiden, weil sie im Vergleich zum Wettersteinkalk tiefgründigere und feuchtere Böden aufweisen.


Eine große Artenfülle lässt sich hier beobachten. Sie weist darauf hin, dass die Almfläche nicht zu intensiv genutzt wird. Die extensive, d.h. mäßige Nutzung der Alm trägt zur Artenvielfalt entscheidend bei. Neben dem Frühlingsenzian (Gentiana verna), dem Stängellosen Kalk-Enzian (Gentiana clusii) und dem Zottigen Habichtskraut (Hieracium villosum), die allesamt auf ein karbonatreiches Ausgangsgestein, den Wettersteinkalk, hindeuten, lassen sich hier auch Arten erkennen, die auf einen karbonatarmen Untergrund, die Raibler-Schichten, schließen lassen. Dazu zählen der Gold-Pippau (Crepis aurea) und das Orangerote Habichtskraut (Hieracium aurantiacum).
Auf trockenen Stellen der Almweide kommt vereinzelt der Berg-Wacholder (Juniperus communis), die liegende Gebirgsrasse des ansonsten aufrechten Heide-Wacholders vor.

Das Wort „Schachen“ ist ein altdeutscher Flurname und bedeutet den „Raum vor dem Wald“ und meint hier die Waldgrenze. Etwa im Bereich der Schachenalm bei 1.700 m verläuft mit dem Ausklingen der geschlossenen subalpinen Fichtenwälder die Waldgrenze. Diese wird definiert als das Vorkommen von mehr oder weniger geschlossenen Baumbeständen, die eine Höhe von mindestens 2 m erreichen. Natürlicherweise wäre die Waldgrenze hier allerdings noch etwas höher bei etwa 1.850 m und würde durch lichte Zirbenwälder gebildet. Durch die Etablierung der Almfläche wurde die Waldgrenze nach unten verschoben. Allerdings prägen auch heute noch viele Zirben die Almfläche.

Über der Waldgrenze gibt es natürlicherweise noch einzelne Bäume in der sogenannten „Kampfzone“; die äußersten Vorposten dieser bilden die Baumgrenze. Diese lässt sich hier gut beobachten. Sie wird hier v.a. von der Zirbe (Pinus cembra) gebildet. Vereinzelt kommen noch Fichten (Picea abies) vor; diese sind jedoch bei weitem nicht so frostresistent wie die Zirbe. Als Krummholz gedeiht auch die Latsche (Pinus mugo) noch vereinzelt.
Die Waldgrenze liegt dort, wo an mindestens 100 Tagen im Jahr die Mitteltemperatur über 5°C liegt.

Spiritueller Proviant

„Von der Tiefe bis hoch zu den Sternen durchflutet Liebe das All.“ (Hildegard von Bingen, Antiphon, Caritas abundat)

Die gesamte Schöpfung, die über die Erde hinausreicht und das ganze All umfasst, ist von Liebe erfüllt, so ist die Hl. Hildegard überzeugt. Wenn Gott, wie es die Bibel bekennt, Liebe ist (1 Joh 4,16), Liebe also Gottes Wesen entspricht, dann ist das, was er hervorbringt, eine Offenbarung dieser Liebe. Gott sehnt sich nach einer Beziehung mit der Geliebten, der Schöpfung. Wenngleich Liebe in der Welt oft überschattet wird von Bösem, von Leid und Tod, so besagt die christliche Hoffnung, dass im Letzten doch die Liebe siegt.

Wo fühle ich mich geliebt? Was heißt für mich Liebe?

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Station 9

Rund ums Königshaus

Das Schachenhaus (1866 m ü. N.N.) wurde ursprünglich als Versorgungshaus des Königshauses errichtet. Dieses wiederum wurde in den Jahren 1869 bis 1871 erbaut. Von außen lässt das Königshaus kaum erahnen, welch fremde Welt sich im Inneren verbirgt. Ein orientalischer Prunksaal mit Springbrunnen, Pfauenfedern, Kronleuchtern, bunten Teppichen und Vasen versetzt einem in die Welt von „Tausend und einer Nacht“. Der nur ca. 100 m vom Königshaus entfernte Alpengarten führt ebenfalls in fremde Welten. Denn in ihm lassen sich neben heimischen Pflanzen auch Gebirgspflanzen aus aller Welt betrachten.

Doch auch die Natur rund um das Königshaus lässt den Pflanzenkundigen bisweilen vielleicht den Eindruck gewinnen, in einer „fremden Welt“ zu sein. Denn für Gewöhnlich sind die Nördlichen Kalkalpen und damit auch das Wettersteingebirge dafür bekannt, Kalkböden mit der entsprechenden typischen Vegetation aufzuweisen.
Nun lassen sich am Schachen aber neben diesen typischen kalktoleranten Pflanzen auch Arten entdecken, die oft genau als die Vertreter der „Kalk-Pflanze“ auf den Silikatböden der Zentralalpen gelten. So ist die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum) typisch für einen Kalkuntergrund, die Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), die keine Wimpernhaare an den Blättern hat, dagegen typisch für Silikatböden. Die Latsche (Pinus mugo) ist eine kalktolerante Art, ihre Position in der Krummholzzone über der Waldgrenze wird in den Zentralalpen von der Grünerle (Alnus viridis) eingenommen. Dass am Schachen die kalktoleranten und die kalkmeidenden Arten auf engem Raum nebeneinander vorkommen, liegt am geologischen Untergrund. Neben dem Wettersteinkalk gibt es hier an einigen Stellen Raiblerschichten, das sind Meeresablagerungen von Flachwasserbereichen des Tethys-Meeres. Auf diesem Gestein sind die Böden karbonatarm, tiefgründig und feuchter als auf Wettersteinkalk. Die Ablagerungen der Zirben- und Latschennadeln sorgen außerdem für lokale Versauerungen des Bodens, weshalb an einigen Stellen Pflanzen gedeihen, die normalerweise auf saurem Silikat-Untergrund wachsen.

Spiritueller Proviant

„Oh edelste Grünkraft, die in der Sonne du wurzelst.“ (Hildegard von Binden, Wisse die Wege)

Immer wieder begegnet man in Hildegards Schriften der auch auf diesem Pilgerweg schon erwähnten „Grünkraft“. Die Grünkraft steht in engem Verhältnis zur Sonne, zum Licht. Ohne Licht gibt es keine Grünkraft. Auch im biologischen Sinne könnte kein grünes Blatt ohne Sonnenlicht existieren. Die grüne Farbe tut nachweislich nicht nur dem menschlichen Auge und Geist gut, da sie beruhigend und ausgleichend wirkt, sondern sie steht zugleich für Lebendigkeit. Daher vergleicht Hildegard die Grünkraft auch immer wieder mit der Seele, die tote Materie lebendig macht.

Worin wurzle ich? Was bringt mich zum „Blühen“?

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Station 10

Frauenalpl

Auf dem Weg vom Schachenhaus zum Frauenalpl wächst in großer Zahl die Alpen-Küchenschelle Pulsatilla alpina). Sie bildet hier gleichsam den Auftakt zu den bevorstehenden alpinen Rasen.

Oberhalb des Schachenhauses lassen sich die letzten Zirben (Pinus cembra) und schon bald auch die letzten Latschen (Pinus mugo) beobachten. Auf einer Meereshöhe von gut 1.900 m erreichen wir die alpine Höhenstufe jenseits der Baumgrenze. Während der Wanderung durch den Fels des Wettersteinkalks, der auch die steil abfallenden Wände ins Oberreintal und über der Schachenalm aufbaut, begegnen uns einige an diesen unwirtlich erscheinenden Lebensraum angepasste Pflanzen.
In Felsspalten und auf Gesteinsschutt wachsen z.B. das Brillenschötchen (Biscutella laevigata), welches mit seinem ausgeprägten Wurzelsystem den Schutt halten kann. Die Stumpfblättrige Weide (Salix retusa) überzieht kriechend den Boden. Sie ist ein Eiszeitrelikt und wächst nur sehr langsam.

Die Polster-Segge (Carex firma) ist eine wichtige Pionierpflanze, die Schutt staut und den Boden für weitere Arten bereitet. Sie ist sehr kälteresistent, wozu die Wuchsform in Polstern, in denen die Wärme besser gespeichert werden kann, beiträgt. Auch die Schwarze Segge (Carex atrata), die auf dem felsigen Rücken und windgescherten Grat des Frauenalpls wächst, ist an den Wuchsort hochalpiner Steinrasen angepasst.

Auf den alpinen Rasen nicht zu übersehen ist die Weiße Silberwurz (Dryas octopetala), die als arktisch-alpine Art hier ihren angestammten Lebensraum hat. Nach dieser Art ist der letzte Zeitabschnitt der letzten Eiszeit, die Jüngere Dryas, die vor ca. 10.000 Jahren endete, benannt. Damals war die Weiße Silberwurz, wie Pollenanalysen belegen, in ganz Europa verbreitet. Heute kommt sie neben den Lebensräumen in der arktischen Tundra v.a. in den Gebirgen vor. Wenn ihre Samen von Bergbächen in die Tallagen transportiert werden, kann sie hierzulande auch auf Flussschottern der Bäche und Flüsse am Alpenrand wachsen.

Spiritueller Proviant

„Die Wege der Heiligen Schrift führen zu einem hohen Berg, wo Blumen und kostbare Gewürzkräuter wachsen.“ (Hildegard von Bingen, Brief an Bischof Heinrich von Lüttich)

Einen Berg zu erklimmen ist mit Anstrengung verbunden, zugleich werden die Mühen belohnt – nicht selten durch Lebewesen, die im Tal nicht anzutreffen sind – und am Gipfel durch ein gigantisches Panorama, das Gefühl der Freiheit und das Erleben der Erhabenheit der Schöpfung. Hildegard von Bingen vergleicht die Bibellektüre mit einem hohen Berg, der Blumen und Gewürzkräuter bereithält, woraus der Mensch Freude, Nahrung und Lebenskraft beziehen kann. Die Heilige Schrift ist keine leichte Kost, doch ist es lohnend, sich mit ihr zu befassen, sie zu „erklimmen“.

Was ist für mich Nahrung, nicht nur im körperlichen Sinn?

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Station 11

Subalpines-hochmontanes Biotopmosaik der Schachenwände

Auf dem Steig ins Oberreintal durchquert man kurz nach dem Aussichtspunkt ins Reintal zunächst subalpines und dann hochmontanes Gelände. Hier sind viele Biotope mosaikartig verbunden. Der Weg verläuft in den Westabstürzen der Schachen- und Frauenalplwände. Diese bestehen aus Wettersteinkalk. Der Hangschutt ist allerdings auch von Material der Raibler-Schichten durchzogen.

Die Wände sind geprägt von einem Wechsel aus Fels, Latschengebüschen und dazwischenliegenden Rasen.
Auf den Felsen wachsen die bereits aus den Felswänden des Elmauer Baches bekannte Alpen-Aurikel (Primula auricula), das Felsen-Kugelschötchen (Kernera saxatilis) und der Fetthennen-Steinbrech (Saxifraga aizoides). Das Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) besiedelt die Rasen und den Felsschutt.


Zwischen den Latschen kommen Hochstaudenfluren mit dem Gelben oder Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum), dem gefährdeten Narzissen-Windröschen (Anemone narcissiflora) und dem Türkenbund (Lilium martagon) vor. Auch die Schneeheide (Erica herbacea), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) und Preiselbeere (Vaccinium vitis-idea) wachsen unter den Latschen. Diese Arten deuten allesamt auf saure Boden-Verhältnisse hin, die v.a. durch die Nadelstreu der Latschen zustande kommt.
Kalkmeidende Arten kommen, wie am Schachen ausgeprägt zu beobachten ist, auf den Böden über Raibler-Schichten vor. Der erwähnte Hangschutt dieser Schichten bedingt hier das lokale Vorkommen der Grünerle (Alnus viridis), in deren Umfeld auch die kalkarme Böden bevorzugende Ziestblättrige Teufelskralle (Phyteuma betonicifolium) vorkommt.

Spiritueller Proviant

„Unterscheidet und prüft alles und sorgt in rechter Weise für das, was für euch und für andere gut ist.“ (Hildegard von Bingen, Worte lebendigen Lichts)

Ganz im Sinne des Hl. Benedikt, nach dessen Ordensregel Hildegard von Bingen lebte, ist für sie die discretio, die Gabe der Unterscheidung eine zentrale Tugend. Schon der Apostel Paulus schreibt „Prüft alles und behaltet das Gute“ (1 Thess 5,21). Für den Umgang mit sich selbst, aber auch mit der Welt, die uns umgibt, ist immer wieder eine Unterscheidung darüber notwendig, was gut ist, was das Leben fördert und was in Sackgassen führt.

Beziehe ich meine Mitwelt, die mich umgibt, in meine Entscheidungen mit ein? Was ist für mich und für die anderen gut?

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Station 12

Partnachklamm

Partnachklamm © B. Schwarz

Die Partnach entspringt im Reintal auf 1.440 m ü.N.N., gespeist vom Wasser des Schneefernergletschers, der über 1.000 m höher liegt und dessen Wasser im Gestein versickert und an der Partnachquelle wieder zutage tritt.
Vor der Eiszeit floss die Partnach nicht in Nordrichtung zur Loisach, sondern im Ferchenbachtal nach Elmau über Klais und in die Isar. Die Richtungsänderung kam vermutlich dadurch zustande, dass sich nach dem Abschmelzen des Gletschers ein Bach von Norden den Weg durch die heutige Klamm bahnte und schließlich die Partnach erreichte, die sodann den Abfluss nach Norden nahm und sich immer tiefer in den Fels einschnitt. Die weichen Tone der Partnachschichten konnten dem Wasser nur wenig Widerstand leisten. Über die Jahrtausende grub sich die Partnach jedoch auch in die harten Muschelkalke ein und schuf eine z.T. bis zu 70 m eingetiefte Klamm.
Auch im heutigen Flussbett ist erkennbar, dass der Fels immer weiter abgeschliffen wird und sich die Klamm unablässig weiter vertieft.
Im Reintal, vor dem Eintritt in die Partnachklamm hat die Partnach einen typischen Wildflusscharakter. Je nach Wasserführung kommt es zu Umlagerungs- und Sedimentationsprozessen. Die Kiesbänke bieten Lebensraum für Pionierarten, also Arten, welche offenen Boden und lichte Verhältnisse benötigen, wie z.B. die Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus).

Wasseramsel (Cinclus cinclus) © B. Schwarz

In der engen Klamm herrschen kühl-feuchte und recht dunkle Verhältnisse. Teilweise nähern sich die senkrechten Felswände bis auf einen Meter an. Hier wachsen nur wenige Blütenpflanzen. Es sind v.a. Algen, Flechten und Moose, die mit diesen Lebensumständen zurechtkommen.
Wo es etwas lichter ist, kommen Arten der Quell- und Hochstaudenfluren und der Schluchtwälder vor. Dazu zählen der Wolfs-Eisenhut (Aconitum vulparia), der Eisenhutblättrige Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius), der Wald-Geißbart (Aruncus dioicus) und das Große Springkraut (Impatiens nolitangere), auch Rühr-mich-nicht-an genannt. Im Gegensatz zum Drüsigen Springkraut (Impatiens glandulifera), ist das das Große Springkraut kein Neophyt, das heißt, es gehört zu den heimischen Arten.

Spiritueller Proviant

„Lass die frische Kraft deiner Seele nicht vertrocknen. Warum bist du nicht stark in den Anwandlungen der Furcht? Aus dem Auge deines Herzens wische den unruhigen Sinn hinweg.“ (Hildegard von Bingen, Brief an Erzbischof Arnold von Mainz)

Hildegard von Bingen ermutigt mit diesen Worten den Bischof von Mainz, sich nicht von der Angst leiten zu lassen. Angst kann zwar als Warnung vor Gefahren auch hilfreich sein, aber Hildegard wusste, dass Angst mit Enge zu tun hat und oft zu Unruhe im Inneren führt, die lähmt und nicht weiterführt. Stattdessen regt sie zu einer Ausrichtung auf Gott an, damit das eigene Innere zur sprudelnden Quelle wird und zugleich innere Ruhe und Gelassenheit entstehen.

Wovor habe ich Angst? Kann ich meine Ängste loslassen und sie Gott anvertrauen, damit er sie verwandelt?

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