Franziskusweg

Der Franziskusweg führt von Eschenlohe zum Franziskanerkloster St. Anton in Partenkirchen. Er hält viele Naturschätze für uns bereit, wenn wir mit dem Hl. Franziskus als Patron offen sind für das, was uns umgibt. Wir sind dabei eingeladen, uns durch den „Spirituellen Proviant“ an den jeweiligen Weg-Stationen inspirieren zu lassen, hinter den unmittelbar vor uns liegenden Dingen die Welt in ihren spirituellen Dimensionen wahrzunehmen. Angesichts der Ausbeutung und Zerstörung der Natur sind wir im Sinne des Hl. Franziskus aufgerufen, auf all unseren Wegen die Vielfalt der Welt zu sehen und durch Zurückhaltung zu bewahren als eine Form der Lobpreisung des Schöpfers und des Dankes an ihn.

In diesem Sinne ermuntert uns Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika „Laudato si‘“ zu einer Aufgeschlossenheit und gleichzeitig zur Genügsamkeit: „Die Genügsamkeit, die unbefangen und bewusst gelebt wird, ist befreiend. Sie bedeutet nicht weniger Leben, sie bedeutet nicht geringere Intensität, sondern das Gegenteil. Das Glück erfordert, dass wir verstehen, einige Bedürfnisse, die uns betäuben, einzuschränken, und so ansprechbar bleiben für die vielen Möglichkeiten die das Leben bietet.“ (LS 223)

Ausgangspunkt Franziskusweg: 82438 Eschenlohe, Pfarrkirche St. Clemens

Anfahrt zur Pfarrkirche St. Clemens:

Mit der Bahn: Vom Bahnhof Eschenlohe, der aus München und Garmisch-Partenkirchen stündlich angefahren wird, sind es ca. 400 m zur Pfarrkirche St. Clemens.

Mit dem Auto: Eschenlohe ist über die eigene Anschlussstelle der A95 oder die B2 gut zu erreichen. Vor der Pfarrkirche St. Clemens befinden sich zahlreiche Parkplätze.

Weglänge und Anforderungen: Hauptweg über die „Sieben Quellen“ ca. 16 km; leichter Anstieg, nur am Wasserfall etwas steiler; festes Schuhwerk v. a. bei feuchtem Boden. Alternativweg entlang der Loisach ca. 15,5 km; leichter Anstieg; festes Schuhwerk.

Naturräume: artenreicher Magerrasen, Streuwiesen, Alpenmagerweide, Moorweide, Pfeifengraswiesen, Geröllfeld, Hochmoor, Sumpf- und Bruchwald mit Schwarzerlen, Auwälder, Quellen mit hochspezialisierten Arten, Wasserfall, Flussmündung des Lauterbachs

Geologische Besonderheiten: Buckelwiese

Kultur: Pilgerweg des Hl. Franziskus, Via Romea, Burg Werdenfels, Wallfahrtskirche und Franziskanerkloster „St. Anton“, Zeugnis eines Besiedlungsversuchs im frühen 19. Jahrhundert (Mühlwiesen), „menschgemachte Artenvielfalt“ auf Streuwiesen, Magerrasen und Moorweide

Charakter der Tour: Dieser Pilgerweg bietet eine reiche Palette an Lebensräumen in einer beeindruckenden Landschaft. Der Weg verläuft am Ortsausgang von Eschenlohe über die Riedern vorbei an Buckelwiesen-Resten, über die „Sieben Quellen“ entlang von Sumpf- und Bruchwäldern ehe Geröllfelder erreicht werden. Dort lässt sich das Pfrühlmoos überblicken, ehe ausgedehnte Streuwiesen folgen. Nach dem Oberauer Wasserfall geht es weiter in Richtung Farchanter „Föhrenheide“, einem alten Weidegebiet, das von parkartig stehenden Wald-Kiefern geprägt ist. Teilweise verläuft die Route auf der „Via Romea“, einem uralten Pilger- und Handelsweg. Das Franziskanerkloster St. Anton liegt malerisch am Berghang und bietet einen grandiosen Ausblick. Eine Alternativroute verläuft von Eschenlohe entlang der Loisach durch weitläufiges Extensiv-Weideland sowie artenreiche Streuwiesen. In Oberau trifft dieser Weg den Hauptweg.

GPX File zum Download: Franziskusweg und Alternativweg.

Leporello Flyer des Franziskuswegs zum Download: Franziskusweg Leporello

Station 1

Buckelwiese „Auf den Riedern“, ein Natur- und Kulturdenkmal

Buckelwiesen sind Relikte aus längst vergangener Zeit. Heute gibt es nur noch wenige Flächen mit dieser besonderen Wiesenform. Die größten im Alpenraum befinden sich bei Mittenwald. Aber auch bei Eschenlohe oder bei Ohlstadt lassen sich solche Buckelwiesen finden. Ursprünglich war in Eschenlohe die gesamte Feldflur „Auf den Riedern“ ein Buckelwiesenkomplex, der wegen der aufwändigen Bewirtschaftung im 20. Jahrhundert weitgehend eingeebnet wurde, sodass nur noch kleine Streifen erhalten blieben. Um diese zu bewahren, werden sie nicht gedüngt und nur einmal im Jahr gemäht oder von Ziegen beweidet. Diese sog. extensive Bewirtschaftung ermöglicht die Magerkeit des Rasens und führt in Verbindung mit den unterschiedlichen Standortbedingungen auf Buckeln und in Senken zu einer besonders großen Artenvielfalt.

Auf Buckelwiesen kann man über das ganze Jahr eine Fülle von Arten beobachten, im Frühling z. B. den Stängellosen Enzian (Gentiana clusii), den Frühlingsenzian (Gentiana verna), die Echte Schlüsselblume (Primula veris) und die Kugelblume (Globularia cordifolia), später im Jahr die duftende Prachtnelke (Dianthus superbus).

Spiritueller Proviant

„Gelobt seist du, mein Herr, durch alle deine Geschöpfe.“ (Hl. Franziskus, Sonnengesang)

Lobpreis und Dankbarkeit zeichnen den Hl. Franziskus aus. Er bezieht sich dabei auf die gesamte Schöpfung, weil alles Geschaffene der unendlichen Liebe Gottes entspringt. Alles ist auf den Schöpfer bezogen, ohne unfrei an ihn gekettet zu sein. Gott schafft in Freiheit und schenkt diese auch seinen Geschöpfen, weil er die Liebe ist und Liebe nur in Freiheit möglich ist. Der Hl. Franziskus lädt uns ein, unablässig und gerade auch in der Schöpfung und mit ihr Gott zu loben und auf seine Liebe zu antworten.

Wofür bin ich dankbar? Was bewegt mich zum Lobpreis Gottes?

Mehr zu „Station 1“

Nach oben

Station 2

Die „Sieben Quellen“, ein Lebensraum für hochspezialisierte Arten

Quellen sind nicht nur einfache Lieferanten von Wasser, sondern schaffen auch Lebensräume für Tiere und Pflanzen, von denen viele zu hochspezialisierten und gefährdeten Arten zählen. Für diese sind die speziellen Standortbedingungen an der Quelle mit den im Jahresverlauf nur geringen Temperatur-Schwankungen zum Überleben wichtig. Quellen gelten außerdem als Sinnbild für Klarheit und Reinheit.

Die „Sieben Quellen“ am Fuße des Estergebirges bei Eschenlohe resultieren aus mächtigen Grundwasseraufstößen mit einer Schüttung von ca. 1.700 Liter pro Sekunde. Die „Sieben Quellen“ und das nach Westen und Südwesten anschließende Pfrühlmoos sind ein bedeutender Lebensraum für Libellen wie beispielsweise die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea). Die Männchen dieser häufigen Großlibellenart suchen mehrmals am Tag geeignete Gewässer auf, um Weibchen zu finden. Diese etwa halbstündigen Patrouillenflüge in ca. 30 cm Höhe entlang der Uferlinie werden durch sog. Schwirrflüge mit einem kurzen Verharren auf der Stelle unterbrochen.

Spiritueller Proviant

„Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser.“ (Hl. Franziskus, Sonnengesang)

Franziskus von Assisi lobt Gott durch alles Geschaffene, so auch durch das Wasser, das er als Schwester und als „kostbar und keusch (=rein)“ bezeichnet. Er verklärt nicht die Natur, sondern wendet bei der Betrachtung und Wertschätzung des Geschaffenen seinen Blick zum Schöpfer.

Was bedeutet für mich eine Quelle?

Mehr zu „Station 2“

Nach oben

Station 3

Sumpf- und Bruchwald, seltene Waldformen mit hoher Biodiversität

Gewässerbegleitende Wälder gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Zwischen dem Hangfuß des Estergebirges und dem Pfrühlmoos gibt es solche seltenen Waldformen, die als Sumpf- und Bruchwald bezeichnet werden. Im Unterschied zu Bruchwäldern stehen Sumpfwälder nicht permanent unter Wasser, weil sie nur unregelmäßig überflutet werden. Diese für den Menschen unwirtlichen Sumpf- und Bruchwälder wurden vielfach entwässert, sind aber hier im Loisachtal an einigen Orten im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben.

Hier wachsen hauptsächlich Schwarzerle (Alnus glutinosa) und Fichte (Picea abies), vereinzelt aber auch Eschen (Fraxinus excelsior), Bruchweiden (Salix fragilis) und Grauerlen (Alnus incana). Der Name „Schwarzerle“ ist zurückzuführen auf die Verwendung der Rinde zum Färben von Leder und der Fruchtzapfen zur Herstellung von schwarzer Tinte. Manchmal findet man Schwarzerlen mit Stelzwurzeln, über deren Poren an der Stammbasis und oberflächennahe Wurzeln der lebensnotwendige Luftaustausch erfolgt. Wenn die Stammbasis längere Zeit überflutet wird, sterben die Schwarzerlen ab. Durch das Zusammenleben mit Knöllchenbakterien in den Wurzeln wandeln Schwarzerlen den Stickstoff der Luft in für die Pflanzen verwertbare chemische Verbindungen um. Diese Symbiose ist für Schwarzerlen überlebensnotwendig.

Spiritueller Proviant

„Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, sichere Hoffnung und vollkommene Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle.“ (Gebet des Hl. Franziskus von Assisi)

Franziskus strahlte nach dem Zeugnis seiner Mitbrüder eine tiefe Gelassenheit aus, auch wenn er mit den Finsternissen und dem Leid des Lebens konfrontiert wurde. Der Weg dorthin war auch für ihn lang und beschwerlich. Seine Gelassenheit ist hier nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit. Franziskus empfand tiefen inneren Frieden, den er aus der Gewissheit der Existenz Gottes bezog. Weil er sich Gott anvertraute, war es für ihn möglich, die Wirklichkeit in allen ihren Erscheinungsformen anzunehmen und sich von Herzen zu freuen. Er liebte die Schöpfung und wusste, dass er von Gott geliebt wird.

Was hilft mir, belastende Dinge loszulassen? Was schenkt mir Herzensfreude?

Mehr zu „Station 3“

Nach oben

Station 4

Geröllfeld und Hochmoor, Artenvielfalt und enormer Wasserspeicher

Die Schinderlaine ist ein gewaltiger Schuttfächer, dessen Ausläufer bis ins Pfrühlmoos reichen. Charakteristisch ist ein kleinräumiges Nebeneinander unterschiedlicher Sukzessionsstadien der Bewachsung. So kann man vegetationslose Schuttflächen von Dolomit-Gestein neben ersten Besiedlungsstadien mit Moosen und Felsspaltenarten antreffen. Hierzu zählen die Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia) und die Weiße Silberwurz (Dryas octopetala). Diese war in der nach ihr benannten Jüngeren Dryaszeit (ca. 10.730-9.700 Jahre v. Chr.) in ganz Europa verbreitet und gedeiht als ein Eiszeitrelikt noch heute in der Alpenregion.

Schreitet die Sukzession auf Stellen, die längere Zeit von Rutschungen und Überschüttungen verschont geblieben sind, voran, dann siedeln sich weitere Pflanzen wie beispielsweise die Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus) und erste Sträucher (Weiden) und Bäume an. Das Endstadium der Sukzession stellt hier der Schneeheide-Kiefernwald mit der Schneeheide (Erica carnea), der Waldkiefer (Pinus sylvestris) und der Latsche (Pinus mugo) dar. Wegen des niederschlagsreichen Randalpenklimas treten sporadisch auf steinigem Untergrund auch Pflanzen auf, die eine Wechselfeuchte anzeigen. So finden sich auf dem Schwemmkegel die Simsenlilie (Tofieldia calyculata) und die Mehlprimel (Primula farinosa). Am Hangfuß zu den Moorflächen des Pfrühlmooses hin finden sich die Polster-Segge (Carex firma) und Flachmoor-Arten wie das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium) und der Sumpf-Dreizack (Triglochin palustris).

Spiritueller Proviant

„Wo Geduld ist und Demut, da ist nicht Zorn noch Verwirrung.“ (Hl. Franziskus, Geistliche Weisungen, „Von der Tugend, die das Laster verjagt“)

Bis ein Geröllfeld bewachsen ist oder aus einem See ein Moor entsteht, braucht es Zeit. Sinnbildlich kann dies für vieles im menschlichen Leben stehen, wo Geduld und Demut gefragt sind. Demut (lateinisch humilitas = Bodenhaftung) meint, die Dinge so zu betrachten, wie sie sind, nüchtern, mit Bodenhaftung. Zusammen mit Geduld führt das zu innerer Ruhe und einem klaren Blick.

Bin ich ein geduldiger Mensch? Wo fällt mir die Geduld schwer?

Mehr zu „Station 4“

Nach oben

Station 5

Streuwiesen im Pfrühlmoos, eine „menschgemachte“ Artenvielfalt

Streuwiesen finden sich meist an feuchten Standorten in der Nähe von Quellen oder Mooren. Sie entstehen durch eine besondere Form der Kultivierung, bei der die Wiesen nicht gedüngt und nur einmal jährlich, meist erst ab September, gemäht werden. Dann haben die Pflanzen bereits ausgesamt, Insekten ihren Generationszyklus durchlaufen und Wiesenbrüter ihre Brut abgeschlossen. Dadurch sind Streuwiesen besonders artenreich. Der Name nimmt Bezug auf das Mähgut, das als Einstreu in Tierställen genutzt wird, weil dieses durch die späte Mahd besonders saugfähig ist.

Landwirte leisten durch diese Form der Bewirtschaftung einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität. In den letzten Jahrzehnten wurde aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft nicht selten die Nutzung von Streuflächen aufgegeben oder deren Bewirtschaftung intensiviert, d.h. gedüngt, wodurch wenige Arten gefördert und so gut wie alle Streuwiesenarten verdrängt werden.

Spiritueller Proviant

„Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“ (Hl. Franziskus, Sonnengesang)

Die franziskanische Schöpfungsspiritualität betont, dass der Mensch immer in Beziehung steht – mit anderen Menschen, mit den nicht-menschlichen Mitgeschöpfen und mit Gott. Franziskus nennt „Mutter Erde“ seine Schwester und betrachtet so nicht nur alle Mitmenschen, sondern die gesamte Schöpfung als seine Familie. Beziehungslosigkeit führt zu Ruhelosigkeit, Unachtsamkeit bis hin zu Brutalität. Der achtsame, aufmerksame Blick auf das Umgebende ermöglicht das Lob Gottes und führt zu wahrer Freude.

Welche Beziehungen sind mir besonders wichtig? Wo darf ich aufblühen?

Mehr zu „Station 5“

Nach oben

Station 6

Wasserfall Fahrmannslaine, Mosaik der Natur

Die Fahrmannslaine mit ihrem tief eingeschnittenen Bachbett als Gemeindegrenze zwischen Oberau und Farchant beeindruckt kurz vor ihrem Schwemmkegel am Bergfuß mit einem Wasserfall. Geologisch herrschen hier Formationen aus der Trias, die über 200 Millionen Jahre alt sind, vor. Im Bachbett finden sich außerdem Plattenkalk und Hauptdolomit als Erosionsschutt aus höheren Lagen.

Die Flora am Wasserfall ist sehr artenreich. An sonnigen Felspartien wächst die gefährdete Alpen-Aurikel (Primula auricula), an Felsvorsprüngen die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum). Im Umfeld steiler Felspartien und an Grabenhängen befinden sich Schneeheide-Kiefernwälder, eine Besonderheit im Werdenfelser Land, wo dieses wertvolle Trockenwaldökosystem durch Föhnlagen gefördert, gedeiht. Die namengebende Pflanze Schneeheide (Erica carnea) wird durch Kiefern (Pinus sylvestris), Fichten (Picea abies), Bergahorne (Acer pseudoplatanus), einzelne Rotbuchen (Fagus sylvatica) und Mehlbeeren (Sorbus aria) beschirmt. Im zeitigen Frühjahr kann man dort die Blüten des Seidelbast (Daphne mezereum) entdecken.

Spiritueller Proviant

„Allmächtiger, heiligster, erhabenster und höchster Gott, du alles Gut, höchstes Gut, ganzes Gut, der du allein gut bist, dir wollen wir erweisen alles Lob, alle Herrlichkeit, allen Dank, alle Ehre, allen Preis und alles Gute. Amen.“ (Aus einem Preisgebet des Hl. Franziskus)

Das Lob Gottes ist für Franziskus eine religiöse Grundhaltung, mit der er seine Dankbarkeit über Gottes Existenz ausdrückt. Er lässt sich von Gottes Herrlichkeit wie von einem Wasserfall „beregnen“. Er bleibt dabei „demütig“, ganz im Sinne des lateinischen Wortes „humilitas“, das nicht nur „Demut“, sondern auch „Bodenhaftung“ bedeutet. Er will das Evangelium den Menschen bringen, was für ihn heißt, einen Menschen spüren zu lassen, dass es in ihm etwas gibt, was nicht zugrunde geht, etwas Größeres und Helleres als er je dachte. Franziskus blendet Leid und Grausamkeit nicht aus, sondern sieht darin eine Verstellung des Angesichts Gottes. Er ist überzeugt, dass Gott als Quelle des Guten alles zum Guten führt, wenn dies auch für uns oft verdeckt bleibt.

Wo kann ich mich „beregnen“ lassen, um Kraft zu tanken?

Mehr zu „Station 6“

Nach oben

Station 7

Die Föhrenheide, eine jahrhunderte alte Alpenmagerweide

Die Föhrenheide wird seit Jahrhunderten als Weidegebiet genutzt, wodurch eine parkähnliche Landschaft entstanden ist. Die namengebende Föhre (Pinus sylvestris), die auch als Waldkiefer bezeichnet wird, prägt ihr Erscheinungsbild. Von der Föhre leitet sich auch der Ortsname Farchant ab. Die Föhrenheide befindet sich auf Ablagerungen des ausgedehnten Schwemmkegels des Kuhfluchtgrabens. Die Föhren wachsen auf einem steinigen Untergrund mit einer nur geringen Humusauflage.

Neben den Föhren finden sich Fichten (Picea abies) und Gebüsch aus Wacholder (Juniperus communis), Berberitze (Berberis vulgaris) und Weißdorn (Crataegus monogyna). Dieser Biotop wird als „Alpenmagerweide“ bezeichnet. In einem kleinräumigen Mosaik gedeihen dort nährstoffliebende Pflanzen in direkter Nachbarschaft zu anderen Pflanzen, die nährstoffarme, halbtrockene und alpine Rasen bevorzugen. Diesen Lebensraum nutzt der Neuntöter (Lanius collurio), der die erjagten Hummeln, Käfer oder gar Mäuse an Pflanzendornen als „Vorratslager“ aufspießt. Auch sein Nest baut er meist in Dornenbüschen.

Spiritueller Proviant

„Wo Ruhe ist und Betrachtung, da ist nicht Aufregung, noch unsteter Geist.“ (Hl. Franziskus, Geistliche Weisungen, „Von der Tugend, die das Laster verjagt“)

Franziskus schätzte keine vorformulierten Gebete. Er war vielmehr ein Hörer und Beobachter, der in vielen Naturerscheinungen die göttliche Sprache erkannte. Ehrfurcht und Demut vor dem, was ihn umgibt, ermöglichten Franziskus, sich Gott zu überlassen. Durch die Freude an Gottes Spuren in der Schöpfung gewann er den Frieden des Herzens.

Wo komme ich zur Ruhe? Was schenkt mir Frieden?

Mehr zu „Station 7“

Nach oben

Station 8

Farchant – „Ursprünge“, das Quellgebiet des Röhrlbaches

Das Quellgebiet des Röhrlbaches am Hangfuß des Fricken wird als „Ursprünge“ bezeichnet. Der Röhrlbach bahnt sich seinen Weg durch Weiden und Streuwiesen, bevor er bei der Oberauer Loisachbrücke in die Loisach mündet. Der kleine Quellsee wird von mehreren Quellaufbrüchen gespeist. Wie an den „Sieben Quellen“ in Eschenlohe sind auch hier Wasserminze (Mentha aquatica) und verschiedene Armleuchteralgen (Characeen) beheimatet. Außerdem wachsen hier Laichkrautrasen mit dem sehr seltenen Faden-Laichkraut (Potamogeton filiformis), einem Indikator für kaltes, basenreiches und sehr sauberes Wasser.

Am Ufer blühen im Frühjahr die Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) und der Fieberklee (Menyanthes trifoliata), im Sommer der Blutweiderich (Lythrum salicaria) und die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris). Auf den anschließenden Pfeifengraswiesen, die im Herbst goldgelb leuchten, findet sich der Schwalbenwurzenzian (Gentiana asclepiadea), der Teufelsabbiss (Succisa pratensis) und das Breitblättrige Wollgras (Eriophorum latifolium). Auf weniger kalk-haltigen Standorten gedeiht das stark gefährdete Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris).

Spiritueller Proviant

„Das Dringendste ist, dass man nach dem Geist des Herrn verlangt. Er allein kann uns gut, grundgut, machen und kann bewirken, dass diese Güte nichts Anderes mehr ist als der Urgrund unseres Wesens.“ (nach dem Hl. Franziskus, Leclerc, Eligius, S. 98)

Der Urgrund unseres Wesens ist wie eine Quelle, aus der das heraussprudelt, was uns auszeichnet und womit wir unsere Umgebung erfüllen. Sind wir in Gott verankert, lassen wir uns von seinem Geist leiten. Das macht uns im Innersten gut und lässt uns zur sprudelnden Quelle der Güte werden.

Wonach sehne ich mich?

Mehr zu „Station 8“

Nach oben

Station 9

„Via Romea“ – Pilger- und Handelsstraße aus vorchristlicher Zeit

Der Philosophenweg, auf dem Sie sich hier befinden, ist Teil der „Via Romea“, einer sehr alten Pilger- und Handelsstraße, die von Trondheim über Oslo, Hamburg, Gotha, Augsburg, Innsbruck, Bozen bis nach Rom führte. Aus dem Reisebericht eines Abtes von Stade (bei Hamburg) von 1236/37 geht hervor, dass die Route im Werdenfelser Land über Ettal, Oberau, Farchant, Partenkirchen, Klais und Mittenwald verlief. Aber auch schon 2.500 Jahre v. Chr. gab es eine Handelsroute für Bernstein zwischen der Elbmündung und der Adria durch das Loisachtal. Diese wurde später auch von den Römern genutzt. In Farchant wurden Scherben aus der Bronzezeit zwischen 1.700 und 1.500 v. Chr. gefunden.

Der Mensch hat also schon früh seine Spuren in diesem Tal hinterlassen. Die Weidewirtschaft, die spätestens seit dem Mittelalter betrieben wurde, hat wesentlich zur Artenvielfalt in dieser Region beigetragen. Dadurch entstanden parkartig aufgelichtete Wälder mit Kiefern, wie sie auch heute noch hier zu finden sind. Der Talboden war in früheren Zeiten deutlich unwegsamer und nasser als heute. Hier am Hangfuß des Wank finden sich auf den kleinen Rippen, Mulden und Felsbuckeln aus Plattenkalk trockenheitsresistente Arten. Aufgrund des steinigen Untergrundes und der geringen Humusauflage wachsen hier z.B. keine Buchen, sondern v.a. Kiefern.

Spiritueller Proviant

„Beachte, o Mensch, in welch erhabene Würde Gott der Herr dich eingesetzt hat, da er dich dem Leibe nach zum Bild seines geliebten Sohnes und dem Geiste nach zu seiner Ähnlichkeit erschaffen und gestaltet hat.“ (Hl. Franziskus, Geistliche Weisungen).

Ein Pilgerweg versinnbildlicht das Unterwegssein des Menschen in seinem Leben. Die dem Menschen verliehene Gabe und Würde, Gottes Abbild zu sein (vgl. Gen 1,28), ist eine lebenslange Aufgabe. Der Mensch soll Gott in der Welt vergegenwärtigen. Allzu oft aber verschließt sich der Mensch dem Auftrag, Gottes Liebe auf Erden zu repräsentieren. Franz von Assisi war bestrebt, durch sein Leben, Gott Raum zu geben und sich selbst zum Werkzeug Gottes zu machen.

Wonach suche ich auf meinem Lebensweg, welcher Spur folge ich?

Mehr zu „Station 9“

Nach oben

Station 10

„St. Anton“, Wallfahrtskirche und Franziskaner­kloster

Der Hl. Antonius, geboren 1195 in Lissabon und zunächst Augustiner-Chorherr, war vom Bettelorden des Hl. Franziskus fasziniert, sodass er mit 25 Jahren zum Franziskanerorden wechselte. 1221 traf er auf dessen Generalkapitel Franziskus selbst.

Während einer spontanen und sehr beeindruckenden Predigt des Antonius wurde man auf seine außergewöhnliche Rednergabe aufmerksam. So ernannte ihn Franziskus zum ersten Lektor der Theologie. Von Franziskus Hochachtung gegenüber Antonius zeugt sein Brief, in dem er diesen „meinen Bischof“ nennt. Antonius wirkte bis zu seinem Tod im Alter von 36 Jahren in Padua und zeichnete sich durch große Hilfsbereitschaft für Arme, Schwache und Kinder aus. Auf Drängen des Volkes wurde er bereits elf Monate nach seinem Tod heiliggesprochen.

Gebet

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht;
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt;
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten:
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.
(aus Frankreich)

Mehr zu „Station 10“

Nach oben